FAQ – Frequently asked questions

Vielleicht wunderst du dich, warum ich einen weiblichen und einen männlichen Vornamen habe. Ich wurde als “Sophie” in einem weiblichen Körper geboren und habe mich später dazu entschieden, mit „Leonard“ einen männlichen Vornamen davor zu setzen. Wenn du weitere Fragen hast, schreib mir gern: leonardsophie.trautmann@volteuropa.org

Warum hast du dich dazu entschieden, deinen Vornamen zu ändern?

Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich mich selbst fühle und sehe und als welche Person mich andere wahrnehmen. Die meisten Menschen in meinem Umfeld haben mich eher als Frau oder als weibliche Person wahrgenommen und dementsprechend behandelt. Da ich mich aber schon immer nicht nur weiblich, sondern auch männlich gefühlt habe und gerade das Männliche in den letzten 1-2 Jahren noch deutlich stärker geworden ist, habe ich mich für einen männlichen Vornamen entschieden. Nicht nur, um damit anderen zu zeigen, dass ich mich eher männlich fühle, sondern es ihnen auch leichter zu machen, mich eher als Mann zu sehen als als Frau.

Wie bist du auf „Leonard“ gekommen?

Ich bin mit einer Freundin Namenslisten im Internet durchgegangen. Sie hat mir Namen vorgelesen und ich habe entschieden, ob der Name mit in die engere Auswahl soll. Am Ende hatten wir vier Namen, die ich mir dann noch einmal genauer angesehen habe: Ich habe dann die Bedeutung recherchiert, ausprobiert, wie der Name zu meinem weiblichen Vornamen und meinem Nachnamen passt, wie er klingt, wie er mit meiner Handschrift aussieht und einfach überlegt, ob ich mich damit wohlfühle. Am Ende ist es “Leonard” geworden, weil ich schon immer einen Namen mit einer schönen Abkürzung wollte, er eine tolle Namensbedeutung (leitet sich aus dem Althochdeutschen von „le(w)o“ für Löwe und „harti“ für „hart, kühn, mutig“ ab) hat und einfach gut zu “Sophie” und zu meinem Nachnamen passt.

Wann hast du dich dazu entschieden, deinen Vornamen zu ändern?

Anfang 2021.

Warum behältst du „Sophie“ als zweiten Vornamen?

Ich fand schon immer, dass “Sophie” ein schöner Name ist und gut zu mir passt (immerhin studiere ich PhiloSOPHIE, haha :D). Abgesehen davon wollte ich den Namen nicht abgeben, weil ich dann das Gefühl hätte, den weiblichen Teil meiner Identität vollständig abzugeben und es wäre auch irgendwie ein harter Cut zwischen meiner Vergangenheit als “Sophie” und der Gegenwart und Zukunft als “Leo” geworden. Bei dem Gedanken daran habe ich mich nicht wohl gefühlt. Schließlich ist mir auch klar, dass ich immer zu einem Teil weiblich sein werde und das möchte ich auch nicht leugnen, ablegen oder vergessen. Immerhin ist es nicht so, dass ich den weiblichen Teil meiner Identität irgendwie schlecht finde oder verteufel.

Wie soll ich dich jetzt am besten ansprechen und welche Pronomen soll ich in Bezug auf dich verwenden?

Ich würde mich freuen, wenn du mich “Leo” oder “Leonard” nennst und in Bezug auf mich männliche Pronomen verwendest. Aber mach dir bitte keine Vorwürfe, wenn das nicht von Anfang an klappt und du manchmal noch aus Versehen die weibliche Variante verwendest – das ist einfach eine Gewöhnungssache, die übrigens für mich genauso Zeit braucht wie für dich. Deswegen würde ich dir auch nie einen Vorwurf machen, wenn du mich “Sophie” nennst oder weibliche Pronomen verwendest.

Wie hat dein Umfeld auf deine Namensänderung reagiert?

Unfassbar positiv, was ich manchmal jetzt immer noch nicht glauben kann. Sowohl meine Familie, wie meine engsten Freunde, Bekannte und alle bei Volt waren sehr respektvoll und haben sich für mich gefreut, dass ich diesen Schritt gegangen bin, auch wenn der mich noch nicht mal annähernd so viel Mut gekostet hat, wie alle immer glauben.

Ist deine Namensänderung jetzt schon offiziell?

Nein, und ich werde auch diesen Schritt aller Wahrscheinlichkeit nach so lange nicht gehen, wie die gesetzlichen Regelungen dafür so kompliziert sind und den Prozess so teuer machen. Darauf habe ich keine Lust, dass kann und will ich mir (aktuell) nicht leisten und irgendwie mache ich das auch ein bisschen aus Protest für ein besseres Selbstbestimmungsgesetz nicht. Der eigene Vorname und die Geschlechtsidentität sind im Grunde eine Privatsache, die für den Staat keinerlei Relevanz haben (sollten) und deshalb eigentlich nur ein reiner Verwaltungsakt sein sollten – wie bei der Änderung des Nachnamens nach einer Hochzeit.

Wie ist der Ablauf, um seinen Vornamen offiziell zu ändern?

Man muss dazu einen Prozess beim zuständigen Amtsgericht machen. Außerdem braucht man 2 Gutachten, die bezeugen, dass man sich seit 3 Jahren nicht mit seine angeborenen und zugewiesenen Geschlecht identifiziert. Die Kosten für den ganzen Kram betragen zwischen 1000 und 2000 Euro.

Hattest du Angst, diesen Schritt zu gehen bzw. hat dich das Mut gekostet?

Nein, eigentlich nicht. Ich hatte auch keine Angst, anderen davon zu erzählen. Klar war ich oftmals etwas aufgeregt, aber ich hatte bei niemandem die Sorge, dass er/sie es irgendwie negativ aufnehmen würde.

Hast du vor, eine (oder mehrere) Operation(en) zu machen und/oder Testosteron zu nehmen?

Darüber denke ich zur Zeit recht intensiv nach. Eine Entscheidung habe ich aber noch nicht getroffen.

Bist du jetzt ein Mann oder divers?

Ich denke, ich werde wahrscheinlich als Geschlechtseintrag “divers” eintragen lassen, wenn ich meinen Vornamen auch offiziell ändern lasse. Dennoch identifiziere ich mich eher als Mann, da ich mich meistens eher männlich fühle.

Wie fühlt es sich an, sich nicht mit seinem angeborenen bzw. zugewiesenen Geschlecht zu identifzieren?

Puh, schwierige Frage. Ich verhalte mich in vielen Situationen eher so, wie es die Gesellschaft von einem Mann erwartet und das passt dann wiederum nicht ganz so zu meinem körperlichen Aussehen. Ich komme damit in der Regel relativ gut zurecht und es fühlt sich für mich irgendwie “normal” an, aber es gibt Situationen, wie z.B. in öffentlichen Toiletten, Umkleideräumen oder im Schwimmbad und auch beim Dating, wo ich an meine Grenzen komme. Da fühlt es sich manchmal so an, als würde ich einfach nirgendwo richtig dazu gehören und immer zwischen den Stühlen sitzen. 

Welche Toiletten/Umkleiden/Gemeinschaftsduschen nutzt du?

Aktuell benutze ich die für Frauen, habe mir aber vorgenommen, mich mal zu den Männern zu trauen. Allerdings muss ich hier gestehen, dass ich da tatsächlich etwas Angst davor habe und mich das etwas Mut und Überwindung kosten wird.

Wann wusstest du, dass du dich nicht mit deinem angeborenen bzw. zugewiesenen Geschlecht identifzierst?

Ich wollte schon als kleines Kind lieber ein Junge sein, habe aber erst mit 18 oder 19 angefangen, mir darüber wirklich Gedanken zu machen und das zu hinterfragen. Dann habe ich eine Zeit immer gesagt, dass ich mich in manchen Situationen weiblich und in anderen männlich fühle und ich glaube, seit 2019 hat sich das eher zum Männlichen verschoben.  

Heißt das, du bist transsexuell?

Ja, im Grunde schon. Aber ich mag die Bezeichnung nicht und versuche auch so gut es geht, darauf zu verzichten. Ich bin einfach ein Mensch wie jede*r andere.

Wie würdest du deine sexuelle Orientierung beschreiben?

Ich hatte bereits sowohl mit Männern als auch mit Frauen Sex und fühle mich auch nach wie vor zu beiden Geschlecht sexuell hingezogen, wenngleich das auch bei Frauen deutlich stärker ist als bei Männern. Eine Beziehung kann ich mir aber nur mit einer Frau vorstellen. Dabei spielt das angeborene bzw. zugewiesene Geschlecht eigentlich keine große Rolle, sondern der Grad an Weiblichkeit ist eher ausschlaggebend, ob ich die Person attraktiv finde.

Was bedeutet für dich Männlichkeit/Weiblichkeit?

Männlichkeit und Weiblichkeit sehe ich im Grunde so, wie wahrscheinlich die gängigsten gesellschaftlichen Klischees sind. Ich denke und fühle da (leider) sehr in Stereotypen. Dass das problematisch ist, ist mir durchaus bewusst und ich hinterfrage das auch öfter, da ich eigentlich davon wegkommen möchte. Ich weiß aber nicht, ob ich das schaffe, weil es durchaus einen Teil meiner Identität ausmacht. Ich rede mittlerweile öfter mit Freunden, insbesondere Freundinnen darüber, um ihre Perspektive noch besser kennenzulernen und zu verstehen. So blöd es klingt, aber ich muss noch lernen, wie ich als Mann sein möchte und sein sollte. Auch wenn ich sehr stark in Stereotypen denke, möchte ich dennoch ein Mensch sein, der seinen Teil zur Gleichberechtigung der Geschlechter beiträgt und als männliche Person möchte ich da insbesondere mit Frauen so umgehen, wie sie sich das wünschen.