„Lost“ – Ein Jugendwort und eine gesellschaftliche Misere

Hin und her gebeutelt zwischen Corona-, Klima- und Migrationskrise auf dem Weg zum wirtschaftlichen Kollaps wissen wir nicht, wo wir sind, wohin wir gehen sollen und was wir tun können, um die drohende Katastrophe abzuwenden. Wir sind lost.

An dieser Stelle scheiden sich die Geister: Die einen gehen auf die Straße und fordern „die Politik“ lautstark zum Handeln auf; die anderen ziehen sich zurück, sind die Biedermeiers der 2020er Jahre. Doch letzteres ist genau der falsche Weg, denn ein Rückzug ins Private wird die politischen Probleme nicht lösen. Ein Rückzug ist die Kapitulation vor der Herausforderung, das „Ach, ich kann doch eh nichts verändern“ ist Ausdruck maßloser Selbstunterschätzung und schrecklicher Bequemlichkeit. Mut ist Mangelware.

Auf der anderen Seite ist auch nicht jede öffentliche Beteiligung am politischen Leben gut für die Demokratie. Wenn es nach manchen Zeitungen ginge, müssten wir 24/7 im Aufregungsmodus sein, laut schimpfend uns empörend. Wenn es nach manchen der Empörten ginge, müssten wir sofort die Grenzen schließen, um ja keinen der ganzen terroristischen, frauenverachtenden und wahrscheinlich auch Corona-infizierten Flüchtlinge ins Land zu lassen und natürlich auch keine Maske tragen, denn das ist schließlich kein Zeichen von Nächstenliebe, sondern Unterwerfung unter die neue Gesundheitsdiktatur. Leider tragen manche Leute weniger Vernunft im Kopf als Aluhüte auf dem Kopf. Auch sie sind lost, obwohl sie so aussehen, als wüssten sie genau, was sie wollen. Aber sie treffen ihre Entscheidungen nicht auf sachlicher Basis, sind zu emotional, um nicht nur zu kritisieren, sondern auch Kritik annehmen zu können und haben den Kontakt zur Realität, in der es Zahlen, Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, irgendwie verloren. Verschwörungstheorien sind die neuen Religionen – habemus Hildmann.

Wir sind lost, wenn wir nicht mehr richtig von falsch und Fakten von Fake News unterscheiden können. Wir sind lost, wenn wir kein Vertrauen mehr in „die Wissenschaft“ und „die Politik“ haben. Wir sind lost, wenn wir es nicht schaffen, uns aus unserem Loch der Unsicherheit und Mutlosigkeit empor zu arbeiten. Lost ist nicht nur ein Jugendwort, sondern beschreibt die Misere unserer Gesellschaft. Völlig emotional verwirrt von allen Krisen, die uns 24/7 beherrschen, wissen wir nicht mehr, wie uns eigentlich geschieht. Uns beschleicht ein Gefühl der Ohnmacht im Angesicht der Katastrophen. Wir fühlen uns zu klein für die Herausforderungen.

Die soziale Isolation befördert dieses Gefühl sicher noch. Allein sind wir weniger und weniger stark und wir fühlen uns schwächer. Mir hilft da die Arbeit bei Volt, wo ich gemeinsam mit Menschen aus ganz Europa unsere Zukunft gestalten kann – infektionssicher vor dem Laptop. Dabei zu sein und Veränderungen aktiv mitgestalten zu können, vertreibt in mir das Gefühl der Ohnmacht und erfüllt mich mit Zuversicht. Und ja, es dauert seine Zeit bis etwas durch den politischen Apparat durchkommt, bis eine Idee umgesetzt ist. Und ja, es ist auch unfassbar anstrengend, sich mit Politik zu beschäftigen. Aber diese Anstrengung müssen wir auf uns nehmen, wenn wir die Ohnmacht überwinden und unsere Zukunft in unserem Sinne gestalten wollen. In diesem Sinne: Join the change!

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